Den authentischen Charakter bewahren: Stadtbeleuchtung - neu oder alt?

Laszlo Kelemen - Production Leader Kandelabra & Deco products
Laszlo Kelemen
Produktionsleiter für Kandelaber & Deko-Produkte

Was macht eine Stadt einzigartig? Die Geschichte, die Bewohner, die Baudenkmäler ... das sind die Bilder, die Einheimische und Besucher kennen und lieben. Der wahre Charakter eines Ortes wurzelt aber tiefer. Er ist die DNA, die den Ort erst ausmacht.

All die kleinen Dinge, die über Jahrhunderte von Architekten, Planern und Bewohnern zusammengefügt wurden.

Veränderungen, zum Beispiel bei der Beleuchtung von Kulturstätten, sind deshalb problematisch, zugleich aber notwendig. Eine moderne Beleuchtung sorgt in den Städten dafür, dass der Energieverbrauch sinkt, die Blendung abnimmt und der Charakter ins rechte Licht gesetzt wird.

Eine Lösung für dieses spezielle Problem finden wir in der kleinen ungarischen Stadt Pilisszentiván, unweit der Hauptstadt Budapest.
Auf dem Gelände lagern unterschiedliche Leuchten aus Schmiedeeisen, die an die Donaumonarchie erinnern.
Allerdings stammen sie nicht aus dieser Zeit: Alle sind neu, geschmiedet nach Originalentwürfen aus dem 19. Jahrhundert.
Das Gebäude ist der Sitz der Kandelàber-Abteilung von Schréder Ungarn. Hier fertigen wir die brandneuen Leuchten in traditioneller Weise.

Wir sind davon überzeugt, dass uns bei der Neugestaltung von Gebäudebeleuchtungen in Sachen Erfahrung und Leidenschaft niemand toppen kann.
Ich selbst bin in Ungarn aufgewachsen. Hübsche Dörfer und malerische Städte mit altmodischen Leuchten sind für mich ein vertrauter Anblick.
Als ich aber hier, bei einem der größten Beleuchtungsunternehmen der Welt angefangen habe, war nicht abzusehen, dass ich einmal genau diese Produktionseinheit leiten würde. Natürlich bin ich stolz auf unsere Klassik-Sparte.

 

Was uns ausmacht, ist unsere Flexibilität. Wir haben viele individuell gefertigte Produkte und diejenigen von Kandelàber sind die Prunkstücke. Nichts macht uns mehr Freude, als gemeinsam mit den Kunden genau die passende Lösung für eine moderne Neugestaltung einer Gebäudebeleuchtung zu finden.

 

Touristenzentren mit dem gewissen Extra

Die Geschichte der Kandelàber-Fertigung reicht bis in die 1980er Jahre zurück. Die ganze Geschichte erzähle ich ein andermal, aber aus Restaurierungsarbeiten der sozialistischen Brigaden an den Kandelabern in Budapest entstand schließlich unser Teil des Schréder-Netzwerks, das sich inzwischen auf 47 Länder erstreckt. Bei Kandelàber wurden mit viel Liebe neue Vintage-Leuchten, z. B. für Schloss Schönbrunn und Schloss Laxenburg in Wien sowie den Züricher Bahnhof, entworfen.

Sogar bis nach Japan haben sie es geschafft, denn vor etwa 20 Jahren hat ein Geschäftsmann, der von den kunstvollen Leuchten in Mitteleuropa sehr begeistert war, ein ganzes Set von Leuchtengehäusen bestellt, die dann vor Ort an die lokalen Standards angepasst wurden. Bis heute liefern wir Ersatzteile dafür.

In der Werkstatt schmieden meine Kollegen und ich über einer 900 °C heißen Esse Metallmasten und versehen sie mit den eleganten Schwüngen, die so typisch für Kandelàber sind.
Die meisten Modelle haben eine Basis aus Gusseisen und Verzierungen aus Schmiedeeisen, mit einigen Abweichungen vom Originaldesign.
So ist etwa die Rolle, mit der das Leuchtmittel heruntergedreht und angezündet werden konnte, in Zeiten von LEDs und Hebebühnen nicht mehr nötig.
Unsere Leidenschaft für Details ist schon fast eine Obsession.

Im Büro der Schmiede haben wir eine große Sammlung von Arbeitsanweisungen aus dem 18. Jahrhundert, alten Postkarten, die zeigen, wie die Straßenbeleuchtung aussah, und metallurgischen Dokumenten in Frakturschrift.
Zu Beginn haben wir auf den Donaubrücken gearbeitet.
Dabei haben wir eine Dia-Präsentation über die Geschichte von Budapest erstellt und dann die Kandelaber im Hintergrund der Bilder auf Postkarten und in Zeitschriften vergrößert, um ihre Verzierungen genauer zu zeigen.
Gern würden wir auch mit anderen Städten in aller Welt zusammenarbeiten und ihnen helfen, ihre Geschichte zu bewahren und gleichzeitig die Umwelt- und Beleuchtungsstandards der Zukunft zu erfüllen.

 


Neue Technologie in klassischen Laternen

Auch wenn die Verfahrensweisen alt sind, bei Kandelàber hat man die Zukunft fest im Blick. Anhand von Originalentwürfen aus Stadtarchiven können Nachbildungen von noch erhaltenen alten Leuchten bestellt werden - so geschehen in Budapest bei den schmiedeeisernen Laternen auf dem Heldenplatz. Die Stadt wünschte sich für den Dózsa György út, den Boulevard, der am Heldenplatz vorbeiführt, eine LED-Beleuchtung, die über das Owlet-IoT-System gesteuert wird, ohne dass die besondere Ästhetik des Viertels darunter leiden sollte. Genau das haben wir ermöglicht, mit brandneuen, geschmiedeten Laternen, die nicht von ihren antiken Vorgängern zu unterscheiden sind.

Im belgischen Brügge gehen wir jetzt genauso vor. Dieses Juwel unter den flämischen Städten lockt das ganze Jahr über Touristen aus aller Herren Länder an. Im Stadtzentrum sollen sämtliche Laternen erneuert werden, dabei aber aussehen, als habe sich nichts verändert. Wir sind aktuell dabei, 2700 LED-Laternen zu produzieren, die IoT-fähig sind, sich perfekt in das mittelalterliche Aussehen der Straßen einfügen und für mehr Energieeffizienz sorgen.
Die Behörden vor Ort waren von den Nachbildungen mit moderner Technik im Inneren, die den klassischen Charme der Stadt unberührt lassen, begeistert.


Vor Ort verfügen wir - neben der Schmiede - über ein modernes Werk, in dem mehrere Schréder-Modelle gefertigt werden. Von Leuten, die neu bei Schréder sind, werden wir immer wieder gefragt, was Kandelàber eigentlich macht und warum wir eine Schmiede haben. Aber schon beim ersten Blick auf unsere Produkte erübrigt sich die Antwort.
Die Zukunft für Leuchten aus der Vergangenheit sah noch nie so rosig aus. Vielleicht ist es etwas schrullig, aber ich habe viel Freude daran, in den Städten für neue Beleuchtung zu sorgen, die den authentischen Charakter bewahrt.

Über den Autor

Laszlo Kelemen ist von allem, was mit Licht zu tun hat, fasziniert. In den 30 Jahren, die er bereits bei Schréder tätig ist, hat er schnell eine große Leidenschaft dafür entwickelt, die alten Straßenlaternen in den Städten zu erhalten.
Seine umfangreiche Erfahrung macht ihn zu einem unverzichtbaren Mitarbeiter: Er baut, entwirft und erschafft Produkte, die sich äußerlich nicht vom Original unterscheiden, aber alle modernen Standards erfüllen.